Bildungsakademie Reutlingen
Konflikte fair regeln

- Es sind die Konfliktparteien, die einen Streit lösen können. Mediation unterstützt sie dabei. - Foto: © endostock – Fotolia.com
Wenn zwei sich streiten, kann ein Dritter vermitteln. Mediatoren helfen, Konflikte zu entschärfen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden, und zwar bevor Anwälte und Gerichte eingeschaltet werden. Als neutrale und allparteiliche Partner – und vor allem als Kommunikatoren. Denn Mediation setzt auf Freiwilligkeit und die Eigenverantwortung der Kontrahenten, ein für beide Seiten akzeptables Ergebnis zu erzielen.
Das macht die Mediation zu einem interessanten Betätigungsfeld für erfahrene Handwerksmeister, Betriebswirte des Handwerks und Sachverständige. Der Lehrgang "Mediator im Handwerk" der Bildungsakademie Reutlingen vermittelt die theoretischen und praktischen Grundlagen der Mediation.
Übersicht
Was ist Mediation?
Anwendungsfelder
Zielgruppe des Lehrgangs
Inhalte
Abschluss
Referent
Termine
Anmeldung
Ansprechpartner
Links
Was ist Mediation ?
Mediation ist ein Instrument der außergerichtlichen Konfliktregelung. Die Konfliktparteien wollen mit Unterstützung einer dritten allparteilichen Person zu einer gemeinsamen Vereinbarung gelangen, die ihren Bedürfnissen und Interessen entspricht. Die Parteien entscheiden freiwillig und autonom über die Inhalte und Ergebnisse des Verfahrens. Der Mediator trifft keine eigenen Entscheidungen bezüglich des Konflikts, sondern ist lediglich für das Verfahren verantwortlich.
Anwendungsfelder
Mediation ist als offenes Verfahren flexibel einsetzbar. Der Ablauf orientiert sich am jeweiligen Fall und kann problemlos an die Bedürfnisse der Beteiligten angepasst werden. Die Methode kann in allen Bereichen eingesetzt werden, in denen streitende Parteien bereit sind, trotz auseinanderliegender komplexer Interessenlagen einen fairen Ausgleich anzustreben. Einsatzgebiete sind:
- Bauvorhaben, öffentliches und privates Baurecht
- Firmenübernahmen, Unternehmensnachfolgen, Vertragsbeziehungen
- Mietrecht, Verbraucherfragen
- in Familien, Schulen, Nachbarschaften und Gemeinden
- Täter-Opfer-Ausgleich
- im politischen Bereich etwa bei der Planung und Durchführung von Großprojekten (Umwelt-, Infrastruktur- und Verkehrsprojekte, städtebauliche Vorhaben und vieles mehr)
Zielgruppe des Lehrgangs
Die Anforderungen an Mediatoren sind hoch. Sie müssen von zwei streitenden Parteien als Vertrauensperson akzeptiert werden, benötigen Erfahrung in fachlichen Fragen und müssen auch mit schwierigen Gesprächssituationen umgehen können.
Die Fähigkeiten und Kompetenzen, über die Mediatoren verfügen müssen, können nicht allein durch den Besuch eines Lehrgangs erworben werden. Vielmehr baut diese Weiterbildung auf Qualifikationen auf, wie sie erfahrene Handwerker in íhrer Praxis als Schlichter oder Sachverständige erworben haben.
Der Lehrgang richtet sich an öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige, Betriebswirte/Betriebswirtinnen des Handwerks, erfahrene Handwerksmeister/innen.
Inhalte
Grundlagen der Konflikts-, Kommunikations- und Mediationslehre
Analyse von Konfliktsituationen, Konflikt- und Kommunikationsmodelle, Erkennen von Eskalationspotenzialen, Training von Interventionsmöglichkeiten, Grundlagen und Leitbilder der Mediation
Mediation als Kommunikationsprozess
Gesprächsführung und Kommunikationstechniken, Typisierung von Rollenverhalten, Rhetorische Arbeitstechniken, Verhalten in schwierige Gesprächssituationen
Ablauf und Rahmenbedingungen des Mediationsverfahrens
Phasenmodell des Mediationsverfahrens, Best-Practice-Modelle für die Analyse, Verhandlung und Lösung von Konflikten, Mediation als Tätigkeit für Handwerksmeister, Sachverständige und Betriebswirte des Handwerks, Rolle des Mediators im Mediationsverfahren
Aufgabe, Tätigkeit und Selbstverständnis des Mediators
Ethisches Grundverständnis der Mediation, Perspektivenwechsel in der Mediation, Mediation als zusätzliches Angebot neben Handwerksbetrieb und Tätigkeit als Sachverständiger, Rechtliche Rahmenbedingungen für Mediatoren (Haftung, Vergütung, Werbung, Kooperation)
Praktische Übungen
Gemeinsame Bearbeitung von Praxisfällen, Rollenspiele, Kommunikationstraining
Abschluss
Die Teilnehmer erhalten das Zertifikat „Mediator im Handwerk“. Voraussetzung sind die Teilnahme an allen vier Modulen, die Durchführung einer Übungs-Mediation und das Bestehen des Abschlusstests (120 Min.).
Referent
Rechtsanwalt Dr. Andreas Frost ist Ausbilder für das Sachverständigenwesen in Baden-Württemberg bei den Handwerkskammern Reutlingen und Karlsruhe. Darüber hinaus ist er Herausgeber des Standardwerks „Der Sachverständige des Handwerks“, Lehrbeauftragter der Hochschule Reutlingen (ESB), Fachtutor an der Europäischen Fernhochschule Hamburg und Fachdozent der Deutschen Anwalt Akademie in Berlin.
Termine
Der Lehrgang "Mediator im Handwerk" besteht aus vier Modulen und umfasst insgesamt 90 Unterrichtseinheiten. Der Unterricht findet jeweils am Wochende statt.
Mediator im Handwerk, Lehrgang 2012
3. bis 5. Februar 2012
2. bis 4. März 2012
30. März bis 1. April 2012
27. bis 29. April 2012
freitags: 14 bis 19 Uhr
samstags: 8:30 bis 17:30 Uhr
sonntags: 8:30 bis 13:30 Uhr
Kosten: 2.750 Euro (inkl. Manuskript, Seminarverpflegung)
Ansprechpartner
Andrea Leichsenring, Bildungsakademie Reutlingen, Telefon 07121 2412-320, andrea.leichsenring(at)hwk-reutlingen.de.
Links
Hier finden Sie einige weiterführende Hinweise zum Thema, die allerdings nicht alle im direkten Zusammenhang mit dem Lehrgang "Mediator im Handwerk" stehen. Neben der allgemeinen Einführung des Bundesministeriums der Justiz und einer Übersicht über die Wirtschaftsmediation informiert der Beitrag des Bundesinstituts für Risikobewertung über ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet, die Risikokommunikation.
Bundesministerium der Justiz: Mediation - außergerichtliche Streitbeilegung
Wikipedia: Wirtschaftsmediation
Bundesinstitut für Risikobewertung: Risikokommunikation


