12. Dezember 2015

Tausche Studienplatz gegen Lehrstelle

Abitur, und dann? Für Simon Hurler war der Fall zunächst klar. Er schrieb sich für Biologie an der Universität Tübingen ein. Nach zwei Semestern entschied er sich für einen Schnitt und wechselte aus Hörsaal und Labor auf die Baustelle. Seit September macht er eine Ausbildung zum Zimmerer.

Lupe
Simon Hurler, Jürgen Löffler und Elke Löffler (v.li.n.re.).

Eigentlich sei das Studium in Ordnung gewesen, meint der 20-Jährige im Rückblick. Wenn da nicht die unsicheren Berufsaussichten für Biologen wären. „Die Arbeit als Wissenschaftler in einem Forschungsprojekt konnte ich mir nicht vorstellen“, sagt Hurler. Kurze Zeit habe er noch mit dem Gedanken gespielt, den Weg ins Lehramt einzuschlagen. Aber auch der Schuldienst sei keine wirkliche Option gewesen.

Das zweite Semester nutzte er deshalb hauptsächlich für Praktika in mehreren Holzbaubetrieben. Warum Handwerk? „Das braucht man auf der ganzen Welt“, entgegnet Hurler. Ein kaufmännischer oder technischer Beruf mit anschließender Bürolaufbahn kamen jedenfalls nicht in Frage. „Ich will draußen arbeiten.“ Am Zimmererberuf gefällt ihm die Abwechslung. „Es ist ein vielseitiges Handwerk. Jede Baustelle ist ein wenig anders.“

Dass er im Laufe des Frühjahrs noch einen Ausbildungsplatz gefunden hat, verdankt er ein wenig dem Zufall. „Anders als gewöhnlich hatten wir noch keinen Lehrling für das erste Jahr“, erinnert sich Zimmerermeister Jürgen Löffler, Inhaber der Löffler Holz- und Gerüstbau GmbH & Co. KG in Dettenhausen. Nach einem Zwei-Tages-Praktikum im Mai habe man Hurler die Lehrstelle angeboten. „Er war eben zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort“, erzählt Elke Löffler, die sich im Büro um Löhne und Buchhaltung kümmert.

Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, gibt Jürgen Löffler zu. „Klar denkt man sich, jetzt sind wir der Notnagel.“ Da Löffler aber ein überzeugter Ausbilder ist, der beim Thema Fachkräftemangel zuallererst sich selbst gefordert sieht, wurden die anfänglichen Bedenken beiseite geschoben: „Also gut, wir machen das.“

Als Abiturient ist Hurler direkt in das zweite Ausbildungsjahr eingestiegen. Was seine Kollegen im ersten Jahr auf der Berufsschule gelernt haben, wie beispielsweise den Umgang mit Werkzeugen, das Lesen und Anfertigen von Zeichnungen und die theoretischen Grundlagen des Berufs, holt er nun auf der Baustelle nach. Hurler war schon beim Aufrichten von Dachstühlen dabei, bei Sanierungsarbeiten oder beim Einbau von Dachfenstern. In der überbetrieblichen Ausbildung entstand die erste Fachwerkkonstruktion.

Es sei schon eine Umstellung gewesen, sagt Hurler. „Als Student hatte ich einen anderen Tagesablauf.“ Mittlerweile habe er sich daran gewöhnt, den ganzen Tag auf den Beinen zu sein. Auch das Zupacken im Allgemeinen falle ihm nun schon deutlich leichter.

Hurler ist im Betrieb angekommen und hat neues Selbstvertrauen gewonnen. Es sei die richtige Entscheidung gewesen, das Studium abzubrechen. „Im Handwerk sieht man, was man geschafft hat. Das gibt Bestätigung.“ Seine Zukunftspläne: „Ich will den Beruf lernen und dann die Welt sehen.“ Die Walz würde ihn schon reizen. Nicht ausgeschlossen, dass er anschließend noch einmal an eine Hochschule zurückkehrt. „Aber das hat noch Zeit", ist sich Hurler sicher.

www.loeffler-dettenhausen.de

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