Corona-Vorgaben für Friseur- und Kosmetikbetriebe


Foto: contrastwerkstatt / Adobe Stock

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Update: Einheitliche Vorgaben für Friseure, Kosmetiker und Fußpfleger

Nach den Friseurbetrieben dürfen seit dem 11. Mai auch wieder die Kosmetiker ihre Geschäfte öffnen. Die Rückkehr in den Alltag erfolgt in kleinen Schritten, denn der betriebliche Ablauf in den Salons steht ab sofort unter strengen Auflagen.

Nach dem Beschluss der Regierungschefs von Bund und Ländern zählen hierzu besondere Vorkehrungen an die Hygiene, zur Steuerung des Zutritts in das Geschäft und zur Vermeidung von Warteschlangen. Außerdem wird für die Mitarbeiter das Tragen einer „persönlichen Schutzausrüstung“ zwingend vorgeschrieben.

WICHTIG: Bitte halten Sie sich an die Regelwerke! Wir wissen, dass viele dies tun und dass dies durchaus schwierig in der praktischen Umsetzung sein kann. Diejenigen, die sich jedoch nicht daran halten und auch über solche Fälle wurden wir bereits seitens der Friseurinnungen informiert, gefährden nicht nur die Gesundheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihrer Kunden, sondern darüber hinaus auch die Salonöffnungen insgesamt.

Branchenstandards der BGW

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) hat verbindliche Vorgaben für Friseur- und Kosmetikbetriebe in einem bundesweit gültigen Branchenstandard veröffentlicht. Die Liste umfasst technische, organisatorische und personenbezogene Schutzmaßnahmen. Die Umsetzung dieser Arbeitsschutzstandards ist vor dem Hintergrund der Schutzpflicht des Arbeitgebers gegenüber seinen Arbeitnehmern geboten. Wird die Einhaltung des Standards nicht gewährleistet, macht sich der Arbeitgeber möglicherweise gegenüber seinen Mitarbeitern schadensersatzpflichtig. Zudem wird - je nach Schwere des Verstoßes - ein Bußgeld oder sogar eine Strafverfolgung riskiert.

Für den Schutz von Mitarbeitern und Kunden vor einer Infektion mit dem Corona-Virus gelten zwei Grundsätze:

  • Eine Mund-Nasen-Bedeckung für Beschäftigte und Kunden ist zwingend erforderlich, wenn der Mindestabstand von 1.5 Metern nicht eingehalten werden kann.
  • Personen, die Symptome einer Infektion der Atemwege aufweisen, sollen sich generell nicht im Salon aufhalten. Der Betrieb muss ein Verfahren zur Abklärung von Verdachtsfällen (zum Beispiel Fieber) festlegen, zum Beispiel einen Infektions-Notfallplan.

Verordnung des Landes

Die baden-württembergischen Ministerien für Wirtschaft und Soziales haben auf der Grundlage der Corona-Verordnung eine Verordnung zur Eindämmung von Übertragungen mit dem Corona-Virus in Friseur-, Kosmetik- und Fußpflegebetrieben herausgegeben. Über die Einhaltung wachen die Vollzugsbehörden des Arbeitsschutzes und des Infektionsschutzes, also die Ordnungsbehörden und die Gesundheitsämter. Verstöße können nach der Corona-Verordnung mit Bußgeldern geahndet werden.

Das Papier übernimmt zahlreiche Vorgaben der BGW, weicht aber auch in einigen Punkten von diesen ab. Im Grundsatz gelten die Arbeitsschutzstandards neben der Verordnung. Dort, wo die Verordnung strenger ist (z.B. bei der Qualität der den Beschäftigten zur Verfügung zu stellenden Masken und bei dem Verbot, mit dem Kunden zu sprechen) gilt der strengere Maßstab. Dort, wo die Verordnung keine Regelung trifft, füllen die Arbeitsschutzstandards die Lücke (z.B. bei dem Verbots der Bewirtung und der Pflicht zur Dokumentation des Kundenkontakts).

Die Regelungen der Landesverordnung sind teilweise als Soll-Vorschriften formuliert. Dies geschieht auch vor dem Hintergrund, dass beispielsweise Material für persönliche Schutzmaßnahmen aufgrund der starken Nachfrage nur eingeschränkt zur Verfügung steht. Damit lässt die Landesverordnung den Betrieben etwas mehr Handlungsspielraum in der Umsetzung. 

Unsere Empfehlung

Wichtig: Die Handwerkskammer empfiehlt allen Betrieben dringend, sich an die Landesverordnung und an die Vorgaben der BGW zu halten. Nur wenn sich alle an die Regelungen halten, kann es gelingen, möglichst zeitnah weitere Lockerungen zu erreichen. Sollten die Regelungen nicht eingehalten werden, drohen wieder schärfere Regulierungen und gegebenenfalls sogar eine erneute Schließung der Salons.

Betriebliche Maßnahmen im Überblick

 

Gefährdungsbeurteilung

Die Gefährdungsbeurteilung und die Unterweisung sind mit Blick auf die Risiken durch das Coronavirus zu ergänzen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Um die Risiken zu minimieren, sollten beispielsweise feste Arbeitsteams je Schicht gebildet werden, um wechselnden Kontakt innerhalb des Betriebs zu reduzieren.

Allgemeine Schutzmaßnahmen

Beschäftige und Kunden mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung dürfen den Friseursalon nicht betreten. Personen mit akuten Atemwegserkrankungen dürfen nicht bedient werden.

Leistungsangebot

  • „Gesichtsnahe“ Dienstleistungen (Bart, Augenbrauen, Wimpern) dürfen nun auch in Friseurbetrieben wieder ausgeführt werden..
  • Auf das Föhnen der Haare sollte nach Möglichkeit verzichtet werden.

Terminvergabe und Information der Kunden

  • Termine dürfen nur auf elektronischem Weg oder per Telefon vereinbart werden.
  • Kunden dürfen nur alleine zum Termin kommen. Ausgenommen sind Personen, die auf eine Begleitperson angewiesen sind (z.B. Kinder).
  • Kundenwünsche sind bereits bei der Terminvergabe zu klären, um die Kommunikation im Salon auf ein Minimum zu reduzieren.
  • Eine Mund-Nasen-Bedeckung ist obligatorisch. Kunden müssen eine solche bereits beim Betreten des Betriebs tragen.
  • Termine müssen so vergeben werden, dass es zu keinen Verdichtungen kommt und der Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern eingehalten wird.

Abstandsregeln, Kommunikation und weitere Vorsichtsmaßnahmen

  • Wo immer möglich ist ein Abstand von 1,5 Metern zwischen Personen einzuhalten. Dies gilt natürlich nicht für die Dauer der Friseurdienstleistung.
  • Körperkontakt (Händeschütteln, Umarmen) vermeiden.
  • Beschäftigten sind medizinische Mund-Nasen-Schutzmasken (EN 14683) zur Verfügung zu stellen. Angesichts der aktuellen Engpässe werden ersatzweise Behelfsmasken (etwa aus Stoff) akzeptiert.
  • Die Kommunikation mit Kunden soll auf ein Minimum beschränkt bleiben.

Hygiene und Desinfektion

  • Wichtig sind eine ausreichende Lüftung der Betriebsräume, eine ausreichende Anzahl an Handwaschbecken in der Nähe des Arbeitsplatzes sowie die regelmäßige Reinigung der Friseurstühle und der Werkzeuge nach jeder Bedienung eines Kunden.
  • Es dürfen ausschließlich Einweg-Papierhalskrausen verwendet werden. Zusätzlich zum üblichen Friseurumhang werden Einwegumhänge empfohlen.

Zahlung

  • Um den direkten Kontakt zu vermeiden, wird bargeldloses Zahlen empfohlen, ebenso besondere Schutzvorrichtungen im Theken-/Kassenbereich.

Jeder Kundenkontakt muss dokumentiert werden

Generell müssen Kunden über die Sicherheitsmaßnahmen im Betrieb informiert werden. Dies betrifft vor allem einfache Verhaltensregeln, wie beispielsweise das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, Händehygiene und das Einhalten der Husten-Nies-Etikette.

Um etwaige Infektionsketten nachvollziehen zu können, sind die Kundenkontaktdaten sowie die Dauer des Aufenthalts im Salon zu dokumentieren. Selbstverständlich geht das nicht ohne das Einverständnis des Kunden, welches vorab eingeholt werden muss. Diese Dokumentation ist verpflichtend vorgeschrieben. Mit anderen Worten: Kunden dürfen nur bedient werden, wenn sie mit der Dokumentation einverstanden sind.

Vorgaben, welche formalen Anforderungen an die Dokumentation zu erfüllen sind, enthalten die Branchenstandards der BGW nicht. Allerdings dürfte es nicht genügen, den Eintrag im Terminbuch einfach zu ergänzen. Wir empfehlen, jeden Kundenkontakt einzeln zu erfassen und separat zu dokumentieren. Die Rechtsabteilung der Handwerkskammer hat hierzu ein Muster erarbeitet.

Ansprechpartner

Krauß, Lisa

07121 2412-231

 

Laib, Diana

07121 2412-269

 

Nopper, Katharina

07121 2412-235

 

Schweizer, Richard

07121 2412-232