
Jasmin macht die Ausbildung im Fachgeschäft viel Spaß. Eine ansprechende Präsentation der Backwaren ist ihr besonders wichtig. Foto: Handwerkskammer
Vom Förderwerkstattplatz in die Ausbildung
Vor gut einem Jahr hielt die 25-jährige Jasmin Knecht ihren Ausbildungsvertrag zur Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk bei der Bäckerei Keim in den Händen – heute ist sie fester Bestandteil des Teams und ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie der Übergang aus der Förderwerkstatt der Bruderhausdiakonie in reguläre Ausbildung gelingen kann.
Nach einem begleiteten Praktikum, einem BiA-Platz (betriebsintegrierter Arbeitsplatz) und einer anschließen-den Vollzeitbeschäftigung startete sie im September 2024 offiziell in ihre Ausbildung.
Kritikfähig, zuverlässig, flexibel
Im Sommer 2023 hatte die Bäckerei Keim gezielt den Kontakt zur Bruderhausdiakonie gesucht, um interessierten Menschen Einblicke in die Fachgeschäfte zu ermöglichen. Daraus entstand für Jasmin ein Praktikum im Fachgeschäft in der Reutlinger Innenstadt, ab Frühjahr 2024 folgte ein BiA-Platz – ein betriebsintegrierter Arbeitsplatz in einem regulären Betrieb, also einen Außenarbeitsplatz einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Er diente als Brücke bis zum Ausbildungsstart. „Weil Frau Knecht so große Fortschritte gemacht hat, haben wir gemeinsam entschieden, den betriebsintegrierten Arbeitsplatz nahtlos bis zum Ausbildungsbeginn fortzuführen“, erläutert das Jobcoach-Team der Bruderhausdiakonie. „So konnte sie sich in Ruhe weiterentwickeln und wertvolle Erfahrungen für die Ausbildung sammeln. Wir haben großen Respekt für diese mutigen Entscheidung.“ „Mir hat die Arbeit im Fachgeschäft von Anfang an Spaß gemacht“, sagt Jasmin Knecht. „Am Anfang war das Putzen für mich der Horror – heute mache ich es sogar gerne. Ich gebe jeden Tag mein Bestes.“ Ganz ohne Erfahrung kam sie nicht in den Betrieb: Mehr als zwei Jahre arbeitete sie zuvor in der Kantine der Bruderhausdiakonie in Reutlingen. Ein begleitetes Praktikum bei der Bäckerei Keim half ihr später, die Abläufe im Verkauf kennenzulernen – von der Beratung bis zur Warenpräsentation. Auch im Betrieb bleibt ihre Entwicklung nicht unbemerkt. „Die Entwicklung, die Jasmin genommen hat, hätte ich zunächst nicht für möglich gehalten“, sagt Filialleiterin Isho Emel. „Ich schätze ihre Kritikfähigkeit, ihre Zuverlässigkeit und ihre Flexibilität sehr. Jasmin arbeitet äußerst selbstständig – und das Tag für Tag von 6:15 bis 14:45 Uhr.“
Jasmin Ziel: eine gute Abschlussprüfung
Einmal pro Woche besucht Jasmin die Berufsschule. „Die Lautstärke in der Klasse ist manchmal herausfordernd“, sagt die junge Frau, die in einer betreuten Wohngemeinschaft lebt, „aber ich bleibe konzentriert – mein Ziel ist eine gute Abschlussprüfung.“ Im Team fühlt sie sich gut aufgehoben und unterstützt, und auch die Kundinnen und Kunden schätzen ihre Freundlichkeit und Fachkompetenz. Denn fachlich wird einiges von ihr verlangt: „Ich muss die Zutaten und Allergene der Backwaren kennen und auch Ahnung von Produktpräsentation haben“, erklärt die junge Frau. Für die kommunikative Auszubildende ist das kein Hindernis – eher ein Ansporn. Die einzelnen Stationen bis zur Ausbildung zeigen, wie wirkungsvoll pass-genaue Förderung und eine enge Begleitung durch Jobcoaches, Betrieb und Handwerkskammer sein können: „Wir haben die Entwicklung von Frau Knecht aufmerksam und wohlwollend beobachtet. Der Ausbildungsvertrag im September 2024 war die logische Konsequenz“, so das Jobcoach-Team. Auch im Betrieb sorgt Jasmins Weg für Rückenwind: „Alle Betreuerinnen und Betreuer sind begeistert“, berichtet Isho Emel. „Jasmin packt überall mit an – vom Thekenverkauf bis zur Vorbereitung. Sie hat großes Potenzial.“