Die 1929 erbaute Kaltenberghütte in Vorarlberg wird mit der Unterstützung von Auszubildenden aus dem Kammerbezirk Reutlingen modernisiert und umgebaut.

Berthold Negwer, Christian Mayer, Jochen Ammann (alle von der Reutlinger Sektion des DAV), Präsident Harald Herrmann, Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Eisert und Bildungsakademieleiter Clemens Riegler (v.l.n.r.).

09.05.2016

Berufserfahrung in über 2.000 Meter Höhe sammeln

Die Handwerkskammer Reutlingen beteiligt sich mit Auszubildenden von sechs Handwerksbetrieben aus den Landkreisen Freudenstadt, Reutlingen, Tübingen und Zollernalb an den Sanierungs- und Umbaumaßnahmen an der 1929 erbauten Kaltenberghütte der Reutlinger Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) im österreichischen Vorarlberg.

„Die DAV-Sektion Reutlingen ist schon vor einiger Zeit auf uns zugekommen und hat uns um Unterstützung bei dieser Maßnahme gebeten“, erläutert Harald Herrmann, Präsident der Handwerkskammer Reutlingen den Hintergrund des gemeinsamen Vorhabens. „So etwas will aber gut vorbereitet sein, denn die Auszubildenden werden unter der Anleitung von zwei Ausbildungsmeistern unserer Bildungsakademie Tübingen an diesem besonderen Projekt teilnehmen.“

„Los geht’s im kommenden Juni zunächst für eine Woche“, so Herrmann weiter. „Den Jugendlichen bietet sich die einmalige Gelegenheit, in einer doch extremen Lage – die Kaltenberghütte liegt fast 2.100 Meter hoch und ist nur durch einen Fußmarsch erreichbar – ihr schon vorhandenes Fachwissen anzuwenden. Das wird bestimmt eine einmalige Erfahrung für jeden Teilnehmer.“ Aufgabe der Lehrlinge werde es sein, gemeinsam mit zwei österreichischen Meisterbetrieben die Energieversorgung der Hütte auf Vordermann zu bringen und sie somit sicherzustellen.

Eingebaut werde ein Blockheizkraftwerk einschließlich Photovoltaikanlage und einem Batteriespeicher, um eine umweltgerechte und nachhaltige Bewirtschaftung der Hütte zu ermöglichen. „Die Auszubildenden unterstützen die ausführende Firma bei ihren Arbeiten unter anderem beim Aus- und Einbau der Leitungen sowie der Heizkörper und Boiler“, so Herrmann. „Das Material wird vom DAV, das Werkzeug von der Bildungsakademie gestellt. Kost und Logis sind frei, die versicherungsrechtlichen Fragen sind geklärt, und die An- und Abreise wird von der Handwerkskammer organisiert.“ Da auch die Betriebe das Projekt begeistert unterstützen, stellen sie ihre Lehrlinge in der ersten Sommerwoche des Jahres 2016 frei.

„Die Maßnahme hat ein Investitionsvolumen von rund zwei Millionen Euro bei einem Eigenanteil von 720.000 Euro“, führt Jochen Ammann, 1. Vorsitzender des DAV, aus. „Parallel zum Einbau des Blockheizkraftwerkes wird ein Abwasser- und Trocknungssystem installiert, in zwei weiteren Bauabschnitten wird in den Folgejahren die Materialseilbahn modernisiert und der Winterraum mit ergänzenden Personalräumen umgebaut.“ Ammann rechnet damit, dass die Umbaumaßnahmen spätestens 2020 abgeschlossen sein werden.

Dem DAV gehe es um den Erhalt der klassischen Substanz der bewirtschafteten Hütte, die nach Fertigstellung der Sanierungsmaßnahmen den jährlich mehreren tausend Gästen ein modernes Angebot in einer wunderbaren Landschaft bieten werde. „Neben der Arbeit werden wir den Auszubildenden in ihrer Freizeit ein attraktives Begleitprogramm bieten“, führt Ammann aus. So werde in idealer Weise die handwerkliche Ausbildung mit einem Gruppenerlebnis in der Natur verknüpft.



Die Kaltenberghütte
Die 1929 erbaute Kaltenberghütte (Österreich, Vorarlberg) ist eine bewirtschaftete Sommerhütte (Kategorie I) im Hinteren Klostertal. Sie ist eine von insgesamt sieben Stützpunkthütten der Verwall-Runde. Die Schlafplätze umfassen 30 Zimmerlager und 24 Matratzenlager; der Winterraum bietet 16 Schlafplätze. Bewirtschaftet ist die Hütte je nach Witterung von Mitte/Ende Juni bis Ende September/Anfang Oktober.

Die Bildungsakademie Tübingen
Rund 5.000 Teilnehmer durchlaufen jährlich die 20 modernen, gut ausgestatten Werkstätten, Lehrsäle und technischen Computerräume der Bildungsakademie Tübingen. 14 qualifizierte und erfahrene Ausbilder und etwa 75 Honorardozenten schaffen die Grundlage für eine hervorragende handwerkliche Aus- und Weiterbildung.

Beteiligte Firmen
Berthold Schmid aus 72108 Rottenburg
Schnitzer GmbH aus 72116 Mössingen
Jörg Hillebrecht aus 72250 Freudenstadt
Haas GmbH aus 72459 Albstadt
Andreas Wörz aus 72555 Metzingen
Richard Schumayer aus 72644 Oberboihingen

Beteiligte Ausbildungsmeister der Bildungsakademie Tübingen
Stefan Jerch aus 72829 Engstingen
Thomas Maier aus 72770 Reutlingen