11.04.2014

Handwerk profitiert vom milden Winter

Die Handwerksbetriebe in der Region sind guter Stimmung. Aufgrund der milden Witterung sind die Bau- und Ausbaubetriebe von der zu Jahresbeginn üblichen konjunkturellen Abschwächung verschont geblieben. Auch die Prognosen für das Frühjahr fallen laut der jüngsten Umfrage der Handwerkskammer Reutlingen optimistisch aus.

Knapp 62 Prozent der befragten Betriebe in den Landkreisen Freudenstadt, Reutlingen, Sigmaringen, Tübingen und Zollernalb beurteilte die Geschäftslage im ersten Quartal  2014 mit der Note „gut“. Nur jeder achte Betrieb (7,9 Prozent) äußerte sich unzufrieden. Nach den Aussichten für die kommenden Monate befragt, rechnen 72 Prozent damit, dass es weiter aufwärts geht, deutlich mehr als vor zwölf Monaten (62,4 Prozent). Mit 61,3 Punkten erreicht der Konjunkturindikator der Handwerkskammer, der Lagebeurteilungen und Erwartungen in einer Kennzahl zusammenfasst, den bislang höchsten Stand für ein Winterquartal.

„Erfreulich ist, dass der positive Trend von allen Gewerken getragen wird“, sagte Dr. Joachim Eisert, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Reutlingen. Das milde Wetter habe seinen Teil dazu beigetragen. Nahezu alle Branchen bewerten ihre Lage besser als vor einem Jahr. Besonders deutlich fällt der Stimmungsaufschwung im Kfz-Gewerbe, im Nahrungsmittelhandwerk und im Gesundheitsbereich aus.

Die Spitzenplätze im Branchenvergleich nehmen weiterhin die  Bau- und Ausbaubetriebe ein. Niedrige Zinsen, das Hagelunwetter vom vergangenen Sommer und eine hohe Nachfrage nach energetischen Modernisierungen sorgen für gut gefüllte Auftragsbücher. Allein die gewerblichen Zulieferer liegen mit ihren Lagebeurteilungen unter den Vorjahreswerten. Allerdings rechnen auch die Maschinenbauer und Elektrobetriebe mit einer deutlichen Belebung im Frühjahr.  

Im Durchschnitt verfügen die Betriebe über Aufträge und Bestellungen für rund neun Wochen, eine Woche mehr als vor einem Jahr. Entsprechend gut sind die Betriebe ausgelastet. Jedes dritte Unternehmen kann seine Kapazitäten zu mindestens 80 Prozent auslasten. Der Anteil derer, die über die 100-Prozent-Marke hinausgehen, hat sich von 4,2 Prozent auf nunmehr 10 Prozent mehr als verdoppelt.

Die stabile Konjunktur schlägt sich in neuen Arbeitsplätzen nieder. Jeder achte Betrieb hat in den vergangenen Monaten zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Eisert rechnet damit, dass sich der Beschäftigungsaufbau im Frühjahr fortsetzen wird. Skeptisch beurteilt der Kammerchef die Rentenpläne der Bundesregierung. „Wenn die Rente mit 63 wie geplant kommt, wird das für viele Handwerksbetriebe zum Problem. Nach Schätzungen der Handwerkskammer hätten rund 1300 Arbeitnehmer des Bezirks Anspruch auf die abschlagsfreie Rente mit 63: dringend benötigte Fachkräfte würden womöglich kurzfristig in den Ruhestand wechseln.“