09.02.2010

Handwerker trotzen Wirtschaftskrise bei Ausbildungszahlen

Trotz der Wirtschafts- und Finanzkrise des Jahres 2009 ist die Lehrstellenbilanz der Handwerkskammer Reutlingen weitgehend stabil geblieben. Mit insgesamt 2156 neu eingetragen Lehrverträgen im Jahr 2009 liegt die Zahl nur unwesentlich unter der des Jahres 2006. Im Landesvergleich liegt die Handwerkskammer Reutlingen mit einem Minus von 5,1 Prozent – das entspricht 116 Lehrverträgen in den fünf Landkreisen des Kammerbezirks – immerhin noch auf Platz 3.

Karl-Heinz Goller, Leiter der Ausbildungsabteilung der Handwerkskammer Reutlingen, ist daher mit diesem Ergebnis zufrieden: „Die Betriebe machen auch in schwierigen Zeiten keine Abstriche bei der Ausbildung.“

Mit 724 neuen Lehrverträgen steuern die Elektro- und Metallbetriebe nach wie vor etwa ein Drittel aller Ausbildungsplätze im Kammerbezirk bei. Ihnen folgt die Berufsgruppe Bau und Ausbau, auf die 445 Ausbildungsverträge entfallen. Die Differenz im gewerblichen Bereich insgesamt beträgt -7,4 Prozent zum Vorjahr, während im kaufmännischen Bereich die Zahl der Ausbildungsverträge um 3,3 Prozent gestiegen ist. Zuwächse verzeichnen auch die sonstigen Gewerbe, wie zum Beispiel die Mechatroniker, technischen Zeichner, Mediengestalter oder die Baugeräteführer (+52 Prozent) – allesamt Berufe, die bei Jugendlichen auf größeres Interesse stoßen.

Einen Rückgang verzeichnet die Handwerkskammer bei den Ausbildungsplätzen, die im Rahmen des Ausbildungspaktes neu eingeworben wurden. 277 neue Lehrstellen waren es in diesem Jahr; allerdings kamen 256 Handwerksbetriebe neu hinzu, die erstmals oder nach längerer Pause wieder eine Lehrstelle anbieten. Deutliche Zuwächse weist die Kammerstatistik beim Angebot an Einstiegsqualifizierungen (EQJ) für Schulabgänger aus. 72 Plätze wurden eingeworben, die Zahl der abgeschlossenen EQJ-Verträge stieg deutlich auf 69.

Sinkende Bewerberzahlen

Nach Gollers Einschätzung lässt sich der Rückgang der Lehrstellen im gewerblichen Bereich nicht alleine mit der schwierigen konjunkturellen Lage begründen. Denn während zum Beispiel die Elektro- und Maschinenbauer sowie die Zuliefererbetriebe allgemein von der Krise unmittelbar betroffen seien, profitierten die Bau- und Ausbauhandwerker immer noch von den Konjunkturmaßnahmen und Förderprogrammen für energetische Sanierungen.

Dass diese Betriebe trotz guter Auftragslage weniger ausbilden, führt Goller auf zwei Ursachen zurück. Die Qualifikation der Bewerber ist eine davon: „Wenn grundlegende Kenntnisse in Deutsch oder Mathematik fehlen, verzichten manche Betriebe mittlerweile lieber vollständig darauf, einen Lehrling auszubilden.“ Zugleich mache sich der demografische Wandel inzwischen auch auf dem Lehrstellenmarkt bemerkbar: „Wir haben spürbar weniger Schulabgänger und damit weniger Bewerber als früher“, so Goller weiter.

Die Folge ist, dass es für die Betriebe immer schwieriger wird, die freien Ausbildungsplätze mit geeigneten Jugendlichen zu besetzen. Diese Entwicklung ist an der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer gut zu verfolgen. Aktuell weist sie bereits über 500 Angebote in über 300 Betrieben auf – Tendenz steigend. Angeboten werden Lehrstellen in allen Berufen – vom Augenoptiker über den Informationselektroniker bis hin zum Zimmerer. Deutlich werde die Entwicklung auch daran, so Goller, dass bereits jetzt über 400 freie Ausbildungsplätze für das Jahr 2011 angeboten würden.