Die Geschäfte laufen schlechter, aber die Betriebe bleiben verhalten optimistisch.

10.10.2008

Handwerkskonjunktur: Schlechtere Geschäfte, vorsichtig optimistische Erwartungen

Die Handwerksbetriebe im Bezirk der Handwerkskammer Reutlingen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage weiterhin positiv, aber deutlich verhaltener als noch in den vergangenen Monaten. „Wir blicken vorsichtig optimistisch in die Zukunft“, fasste Kammerpräsident Joachim Möhrle die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage zusammen. Allerdings sank der Konjunkturindikator, der alle wichtigen Kennzahlen erfasst, im dritten Quartal 2008 zum fünften Mal in Folge.

Nach einer repräsentativen Umfrage in den Landkreisen Freudenstadt, Reutlingen, Sigmaringen, Tübingen und Zollernalb rechnet ein Fünftel der Handwerksbetriebe (21,8 Prozent) mit steigenden Auftragszahlen. Im Vorquartal waren es noch 33,8 Prozent. Gleichzeitig ist die Zahl der Betriebe, die eine schlechtere Auftragslage erwarten, von 21,1 auf 31,2 Prozent gestiegen.  

Der Konjunkturindikator, der sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen der Betriebe ausweist, sank daraufhin im dritten Quartal auf +20,5 Punkte. Im vorigen Quartal lag dieser Wert noch bei +26,4 Punkten, bei der Herbstumfrage 2007 noch bei +35,1 Punkten.

Die Erhebung wurde in den beiden letzten Septemberwochen durchgeführt, also noch vor der aktuellen Finanzmarktkrise. Möhrle geht davon aus, dass sich trotz der schlechten Nachrichten von den Börsenplätzen noch nichts an der „vorsichtig optimistischen Grundstimmung“ im Handwerk geändert hat.  Ein Blick auf die Investitionen der Handwerksbetriebe belegt dies: Mehr als die Hälfte der Unternehmen (56,2 Prozent) hat neue Maschinen und Ausrüstungen angeschafft, 80 Prozent davon haben mehr oder zumindest gleich viel wie im Vorquartal investiert.

Deshalb fordert der Präsident der Handwerkskammer Reutlingen, die Rahmenbedingungen für kleine und mittlere Unternehmen zügig und nachhaltig zu verbessern. Mit den zum Jahreswechsel steigenden Krankenkassenbeiträgen seien neue Belastungen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer verbunden. Es komme in der aktuellen Situation aber vor allem darauf an, so Möhrle, die Nachfrage zu stützen. Die Entscheidung der Großen Koalition, die steuerliche Absetzbarkeit von haushaltsnahen Dienstleistungen zu verbessern, findet seine Zustimmung. Bis zu 4000 Euro pro Jahr sollen im Rahmen der Steuererklärung geltend gemacht werden können. Möhrle erwartet eine rasche Klarstellung: „Auch Instandhaltungs- und Modernisierungsarbeiten müssen im erweiterten Umfang absetzbar sein.“

Große Unterschiede zwischen den Branchen

Das Geschäftsklima hat sich in allen Branchen merklich abgekühlt. Angesichts uneinheitlicher Ausgangsniveaus weisen die einzelnen Handwerksgruppen mittlerweile gravierende Unterschiede auf. Die Unternehmen, die für den gewerblichen Bedarf produzieren, gehen optimistisch in die nächsten Monate (+28,3 Punkte). Noch besser bewerten die Ausbauhandwerker ihre Aussichten. Sie profitieren von der anhaltend hohen Nachfrage nach Modernisierungs- und Sanierungsarbeiten im Gebäudebestand (+32,9 Punkte).

Vollkommen anders sieht es im Bauhauptgewerbe aus. Sowohl die Geschäftslage als auch die Erwartungen werden so schlecht bewertet wie in keinem anderen Handwerksbereich. Der Konjunkturindikator des Bauhauptgewerbes, ohnehin bereits im negativen Bereich, fiel im dritten Quartal auf -18,6 (-13,8).
 
Auch das Kfz-Gewerbe erlebt einen deutlichen Einbruch. Die Betriebe schätzen die Aussichten für die kommenden Monate nunmehr neutral ein (0,0 Prozent gegenüber +7,1 Prozent im Vorjahresquartal). Ihre aktuelle Geschäftslage beurteilen die Unternehmen bereits negativ (-9,1).

Für die Gesundheitshandwerker liefen die zurückliegenden Wochen ebenfalls wenig erfreulich. Dennoch haben in dieser Handwerksgruppe die Optimisten die Oberhand behalten (+5,0). Hingegen fällt das Konjunkturbarometer des Nahrungsmittelhandwerks ab. Sowohl die Bewertung der Lage (+10,7) als auch die Erwartungen (+17,9) haben sich innerhalb eines Jahres halbiert.