IBAN und BIC und ersetzen Kontonummer und Bankleitzahl. Foto: Deutsche Bundesbank

16.12.2013

"Im schlimmsten Fall droht die Zahlungsunfähigkeit"

Experten schlagen Alarm. Kurz vor dem Start des einheitlichen Zahlungsraums SEPA sind viele Betriebe noch nicht oder nur unvollständig vorbereitet. "Sie haben keine Zeit mehr zu verlieren", meint Beraterin Sylvia Weinhold.

Stell’ Dir vor, es ist Februar und der Lohn kommt nicht auf dem Konto an. Medienberichten zufolge müssen Mitarbeiter genau damit rechnen. Ist das Schwarzmalerei?

Weinhold: Nein, das könnte in einigen Fällen durchaus passieren. Überweisungen im bisherigen Format, also mit Kontonummer und Bankleitzahl, sind ab dem Stichtag 1. Februar 2014  nicht mehr vorgesehen. Davon sind auch Gehaltszahlungen nicht ausgenommen. Wer seine Software bereits umgestellt hat und die Daten im SEPA-Format bei der Bank einreicht, muss natürlich nichts befürchten.

Die Deutsche Bundesbank stellt kleinen und mittleren Unternehmen ein schlechtes Zeugnis aus. Ein großer Teil der Betriebe werde die Umstellung wohl nicht rechtzeitig schaffen.

Weinhold: Die Banken machen sich große Sorgen. Während große Unternehmen und Behörden im Zeitplan sind, fällt die Zwischenbilanz bei kleinen Firmen düster aus. Zwar haben wir keine Umfrage durchgeführt, doch es fällt auf, das wir in der Beratung kaum Rückmeldungen oder Anfragen zur Umstellung erhalten. Ob das ein gutes Zeichen ist? Ich bin mir da nicht so sicher!

Woran liegt es?

Weinhold: Jedem Handwerker müsste klar sein, dass er betroffen ist. Wir hatten bereits im Sommer alle Betriebe angeschrieben, zwei große Veranstaltungen durchgeführt und auch regelmäßig in unseren Medien berichtet. An Information mangelte es nicht. Es hapert an der Umsetzung. Das hat mit dem laufenden Geschäft zu tun. Möglicherweise wird aber auch der Zeitaufwand für die erforderliche Umstellung unterschätzt.

Was erwartet Nachzügler?

Weinhold: Eine Schon- oder Übergangsfrist gibt es nicht. Zum Stichtag werden die bekannten Systeme abgeschaltet. Wer darauf vertraut, dass die Bank einen Plan B in der Tasche hat, geht ein hohes Risiko ein. Im schlimmsten Fall drohen Liquiditätsengpässe oder sogar die Zahlungsunfähigkeit.

Was müssen Unternehmen tun?

Weinhold: Sofort mit den Vorbereitungen beginnen. Der erste Schritt sollte sein, alle Arbeitsabläufe und Bereiche, die von der Umstellung betroffen sind, zu identifizieren. Dazu zählen das Rechnungswesen, die Lohnbuchhaltung, die verwendete Software, die Geschäftskorrespondenz und vieles mehr. Dann sollten die Zuständigkeiten im Betrieb festgelegt werden. Hilfreich ist ein Zeitplan, damit der Überblick nicht verloren geht. Außerdem sollte der Service der Hausbank genutzt werden. Dort gibt es Ansprechpartner, die mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wichtig ist, keine Zeit mehr zu verlieren. Es ist Fünf vor Zwölf.

Informationen zum Verfahren und Tipps zur Umstellung finden Sie unserer Sonderseite www.hwk-reutlingen.de/sepa.html.