Joachim Eisert, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Reutlingen, Geschäftsführer Armin Eppler, Präsident Joachim Möhrle und Kreishandwerksmeister Herbert Gühring (v.l.n.r.).

Heinz Wiedler (links) im Gespräch mit Joachim Möhrle.

Paul-Gerhard Alber (rechts) zeigt Joachim Möhrle und Joachim Eisert ein Produkt, das nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist.

Auch international unterwegs: August Wannenmacher (rechts) im Gespräch mit Joachim Eisert und Joachim Möhrle.

02.11.2007

Keine Angebote von der Stange

Die dritte Kreisbereisung von Präsident und Hauptgeschäftsführer führte in den Zollernalbkreis

Die dritte Kreisbereisung in diesem Jahr führte Kammerpräsident Joachim Möhrle und Hauptgeschäftsführer Joachim Eisert in den Zollernalbkreis. Begleitet wurden sie bei den vier Betriebsbesuchen von Kreishandwerksmeister Herbert Gühring. Die von der Kreishandwerkerschaft Zollernalb zusammengestellte Tour machte deutlich, wo die Chancen für Handwerksbetriebe liegen: Nischen besetzen, hochwertige und individuelle Lösungen anbieten und rechtzeitig neue Markttendenzen erkennen.

Wie zum Beispiel Armin Eppler. Der Geschäftsführer der Eppler Fenster GmbH & Co. KG in Meßstetten erzählt, dass die Firma bereits in den siebziger Jahren begonnen hat, mit Aluminiumfenstern zu arbeiten und ebenfalls sehr früh in den achtziger Jahren schon Kunststofffenster anbieten konnte.

Die zunächst zwei getrennten Standorte der Firma erwiesen sich als nicht wirtschaftlich, so dass 1999 völlig neu gebaut wurde. Inzwischen wird jedoch wieder mehr Platz benötigt, so dass eines der alten Gebäude reaktiviert wird. Dass das Geschäft so gut laufe – im Jahr 2006 konnte Eppler einen Zuwachs von 30 Prozent verzeichnen –, hänge auch damit zusammen, dass der Betrieb ein äußerst diversifiziertes Angebot habe, mit dem er seine Unabhängigkeit bewahren könne.

Kaum Fluktuation

Beim Personal gebe es kaum Fluktuation, konnte der stellvertretende Kreishandwerksmeister berichten. 35 Mitarbeiter hat das Unternehmen zurzeit, und er würde gerne jeden Lehrling übernehmen – wenn er denn gut ist. Aber das ist nicht nur für Armin Eppler ein Problem. Wünsche hat er insbesondere an die Lehrer; für sie sei das Handwerk leider immer nur die letzte Wahl. Offensichtlich hätten die meisten immer noch nicht begriffen, welche Anforderungen in der Zwischenzeit im Handwerk gestellt werden. Letztendlich seien die Anforderungen, so Eppler, sogar höher als in der Industrie: Pläne müssten die jungen Menschen lesen können, mit CNC-Maschinen umgehen und auf der Baustelle müssten sie selbständig Entscheidungen treffen. Wer also keine gute Auffassungsgabe habe, der könne letztendlich nur Hilfsarbeiter werden – aber die würden gerade im Handwerk immer seltener gebraucht.

Auch für Heinz Wiedler, der seinen Betrieb in der Zwischenzeit an seine Tochter Diana übergeben hat, ist klar, dass es darum geht, Nischen zu besetzen. Das Bild des Handwerks habe sich in der Zwischenzeit vollständig gewandelt, sagt der langjährige Präsident des Zentralverbandes Karosserie- und Fahrzeugtechnik e.V.

Bei dem Karosseriewerk Wiedler GmbH aus Albstadt-Ebingen gebe es kein Fahrzeug von „der Stange“. Ob es um spezielle Kühlaufbauten für Edeka Deutschland oder um Multifunktionsfahrzeuge geht: Kleine Stückzahlen individuell geplanter hochwertiger Produkte – das macht das Besondere der Firma aus. Aber auch er muss sich neuen Herausforderungen stellen. Vor allem der Druck der Versicherungen beim Thema Schadenssteuerung werde größer.

Gefragter Ausbildungsbetrieb

Wiedler ist ein gefragter Ausbildungsbetrieb – was auch heißt, dass er sich die besten Bewerber aussuchen kann. Eine Garantie dafür, dass jeder Lehrling übernommen werden kann, gibt es jedoch nicht. Allerdings sieht er es auch als eine soziale Aufgabe, Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. Es komme darauf an, Jugendliche von der Straße zu holen – und das gelte auch für ‚schwierigere‘ Jugendliche, auch sie müssten eine Chance erhalten. Letztendlich sei Ausbildung auch eine Zukunftsaufgabe. Jetzt schon sei ein Mangel an Facharbeitern festzustellen, und manch einer der jungen Leute, die bei ihm ausgebildet werden, könnten später wieder in den Betrieb zurückkommen.

Auch für Paul-Gerhard Alber in Tailfingen, der die Alber-Mechanik GmbH in zweiter Generation führt, spielt Ausbildung eine bedeutende Rolle. Ein besonderes Anliegen ist dem Obermeister der Mechaniker-Innung der Beruf des Werkzeugmachers, der nach seiner Meinung in der Zwischenzeit entwertet werde. Der 1960 in einem Bauernhaus auf 35 qm gegründete Betrieb hat sich bereits in den achtziger Jahren mit dem Thema CNC befasst – wenn sie das seinerzeit nicht gemacht hätten, wären sie sicherlich schon vom Markt verschwunden, meint Alber.

Der Betriebswirt des Handwerks hat den Betrieb 1994 übernommen. Viermal wurde inzwischen gebaut und der Betrieb vergrößert – und 2006 wurde ein neues Leitbild entwickelt, das den Betrieb für die Zukunft fit machen soll.

Neue Wege beschreiten

Schließlich gehe es beständig darum, neue Wege zu beschreiten. In der Präsentation des Leitbildes wird sein Anspruch klar. Kein Geringerer als John F. Kennedy gab mit seinen schon Anfang der sechziger Jahre entwickelten Visionen eines bemannten Mondfluges die Messlatte vor, was auch für den Betrieb auf der schwäbischen Alb gelten soll: Es gehe nicht darum zu sagen „wir sollten“, sondern „wir verpflichten uns, ein Ziel zu erreichen“. Letztendlich gehe es immer darum, aus einem Problem eine Möglichkeit zu machen. Alber versteht sich daher auch als Dienstleister, als Problemlöser für viele unterschiedliche Hersteller. Und weil auch für ihn die Preissituation schwierig ist, muss auch er Rationalisieren. Das tut er allerdings nicht, indem er Personal abbaut, sondern indem er durch moderne Maschinen bei gleichem Personal den Ausstoß und damit den Umsatz erhöht. Inzwischen hat er einen Artikelstamm von rund 15.000 Stück; er produziert das, was „in Fenstern und Türen drin ist“, Spezialmaschinen oder etwa kugelgelagerte Kameragehäuse für Forschungs-U-Boote. Aber er legt auch Wert auf faire Partner. Nicht umsonst macht er deshalb seinen Kunden deutlich, was er von ihnen erwartet, um dann selbstbewusst zu fragen: „Prüfen Sie sich, ob Sie mein Partner werden wollen.“

Über den Zollernalbkreis hinaus

Geht nicht, gibt’s nicht – das gilt auch für Schreiner August Wannenmacher. Flexibilität ist das A und O für die 30 Mitarbeiter, darunter fünf Lehrlinge. Der Familienbetrieb, der im Jahr 2008 sein sechzigjähriges Jubiläum feiern kann, produziert individuelle Produkte – ob für die Telefonläden von Vodafone, die Einrichtungen für hochwertige Hotels oder Studentenwohnheime. Dabei reichen die Geschäftsbeziehungen inzwischen weit über den Zollernalbkreis hinaus. Ob in Holland oder Algerien – überall kann man auf Produkte aus dem Hause Wannenmacher treffen. Das Prinzip des Unternehmers – Wahrheit und Klarheit gegenüber dem Kunden – scheint sich demnach auszuzahlen. August Wannenmacher, der auch Vizepräsident der Handwerkskammer Reutlingen und Obermeister der Schreiner-Innung Zollernalb ist, will rechtzeitig mit der Unternehmensnachfolge beginnen. Und bei der Betriebsbesichtigung wurde deutlich, dass Tochter und Sohn bereits ausgezeichnet in das Geschäft eingebunden sind.