Seminarschuldirektor Martin Schweiger gab im Bildungshaus St. Luzen praktische Erziehungstipps.

26.04.2011

Ohne Grenzen geht es nicht

Auf große Resonanz bei den Vertretern des Handwerks stieß die Vortragsveranstaltung „Wie aus Kindern tüchtige Erwachsene werden können“. Referent im Hechinger Bildungshaus St. Luzen war der Pädagoge Martin Schweiger. Seine Empfehlung: Kinder brauchen auch Grenzen.

Auf Einladung der Kreishandwerkerschaft Zollernalb und der Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH) referierte Seminarschuldirektor Martin Schweiger vom Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Albstadt. Er ist seit rund zehn Jahren in der Lehrerausbildung tätig.

Zu Beginn seines Vortrags veranschaulichte Schweiger die gesellschaftliche Problematik ausbildungsunreifer Jugendlicher anhand zahlreicher Beispiele und ging anschließend auf theoretische Erklärungsmodelle ein. Er bezog sich in seinem Vortrag überwiegend auf den Psychologen Michael Winterhoff und dessen Buch „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“.

Klarheit zahlt sich aus

Danach sollte Erziehung zu drei aufeinander aufbauenden Resultaten führen: Selbst- und Selbstwertgefühl des Kindes, die Fähigkeit, Beziehungen einzugehen und zu pflegen und die Entwicklung beruflicher Kompetenzen. Um dies zu erreichen, benötige das Kind Unterstützung durch einen abgegrenzten und in sich ruhenden Erzieher. Dem Ansatz so mancher Erwachsener, Kinder als Partner zu sehen, erteilte Schweiger eine Absage. Vielmehr sei es wichtig, dem Nachwuchs eine angemessene Rückmeldung zu geben.

Ein weiterer Erziehungsfehler bestünde darin, so Schweiger, eigene Wünsche durch das Kind verwirklichen zu wollen. Eine typische Erziehungsfalle sei es, wenn Erwachsene und Kinder durch zu große emotionale Nähe in eine Symbiose zueinander treten. Signalisiere der Erwachsene hingegen Klarheit, Wohlwollen und Wertschätzung, empfinde das Kind dies als Verlässlichkeit. So entstünde ein Grundvertrauen. Schweiger betonte, dass sein Vortrag kein Plädoyer für eine autoritäre Erziehung sei. Er hatte kleine Handzettel vorbereitet, die klar machten, dass es darum geht, in freundlicher Festigkeit den kindlichen Launen Grenzen zu setzen.

Beim anschließenden Stehempfang wurde das Thema noch mal aufgegriffen und anregend diskutiert. Jutta Rager