Eine weitere Spur hinterlässt Paul Zimmermann mit dem von ihm gestalteten Baumgitter: Angefangen mit dem Jubiläumshinweis auf 50 Jahre Atelier Zimmermann bis hin zu Sprichwörtern, die das Schmiedehandwerk umranken – oder zum Beispiel ein Lebensmotto Zimmermanns wiedergeben: „Schmiede das Eisen solange Du glühst.“

11.11.2013

Spuren hinterlassen

Spuren hinterlassen hat Paul Zimmermann in den 50 Jahren, die es das Atelier Zimmermann in Pliezhausen bereits gibt, viele. Wenn er davon erzählt, dann stellt er sich damit zugleich in die große Tradition der Schmiede: denn jede Epoche, so Zimmermann, lasse sich an deren Zeitzeugnissen im öffentlichen Leben erkennen und datieren.

Die Lust am Gestalten hat ihn bereits als 14-Jährigen geleitet: Konditor wollte er zunächst werden. Aber da er keine Lehrstelle fand, entschied er sich für ein anderes gestaltendes Handwerk, das Schmiedehandwerk. Ja, der Schlüssel für seine gesamte berufliche Laufbahn sei in diesem Wunsch zu finden, etwas gestalten zu wollen. Das sei letztendlich seine Triebfeder gewesen und nicht etwa die Lust am Kampf mit den Elementen, wie man es bei einem Schmied vielleicht erwarten würde.

Hinzu kam die Freude am Zeichnen. Das vervollkommnete er bei dem Reutlinger Bildhauer Heinrich Pfingsten – hier habe er „sehen gelernt“ und so die Voraussetzungen für die Gestaltung in der dritten Dimension geschaffen.

In seiner Frau Ruth habe er schließlich die ideale Ergänzung gefunden: beide hätten von Anfang an die gleichen Wertvorstellungen gehabt, und deshalb habe er in ihr auch all die Jahre hindurch eine produktive Kritikerin und Förderin gehabt.

Wenn er so erzählt, dann beschreibt er das, was gemeinhin als „Traumberuf“ definiert wird: Der Beruf habe sein Leben erfüllt – aber er vergisst nicht darauf hinzuweisen, dass es zu Beginn nicht immer ein Leichtes war, die Familie mit ihren drei Kindern zu ernähren.

Eine Funktion gestalten
Wenn Paul Zimmermann davon spricht, dass eine Funktion gut gestaltet werden muss, dann meint er mehr als den Gestaltungsleitsatz „form follows function“ (die Form folgt aus der Funktion), wie er in Design und Architektur seit Anfang des 19. Jahrhunderts Bedeutung erlangte.

Bei ihm sind Design und dessen Umsetzung nicht zwei unabhängig voneinander ablaufende Prozesse. Und deshalb ist das, was er erschafft, auch nicht einfach „nur“ Kunst: In dem Prozess von Entwerfen und Umsetzen soll der Alltag funktionell und schön gestaltet werden.

Wie das mit den rund 280 Grabzeichen zusammengeht, die er in der Zwischenzeit geschaffen hat? Das wird durch den Entstehungsprozess deutlich. Die Grabzeichen werden gemeinsam mit den Trauernden entwickelt, und sie sind so auch ein Stück Trauerbewältigung.

Idealerweise wird über das Grabzeichen ein Bezug zum Leben des Verstorbenen selbst hergestellt, das von den Trauernden (mit-)gestaltet wurde und von ihnen auch angenommen wird – ein Lichtblick im Abschiednehmen. Die Funktion des Grabzeichens besteht also darin, trotz der Trauer so etwas wie Freude zu vermitteln.

International
Es gäbe noch viel zu erzählen über die zahllosen internationalen Auszeichnungen, über die Erwähnungen in Fachzeitschriften, über die zahlreichen internationalen Gäste, die ihn in Pliezhausen besucht und immer wieder ein Stück Heimat in der Fremde gefunden haben, über sein Engagement in der Ausbildung der Metallgestalter, über die beiden Söhne, die ebenfalls das Schmiedehandwerk erlernt haben und als Professor in Schweden (Heiner Zimmermann) oder in der Schweizer Hammerschmiede Mühlehorn Seminare zur Teamentwicklung (Christian Zimmermann) anbieten.

Und auch wenn Paul Zimmermann mit seinen 74 Jahren jetzt etwas kürzer treten will, so wird er doch noch etliche Aufträge abarbeiten, deren Entwürfe in einer Kiste auf ihre Erledigung warten.

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