
Das Handwerk in der Region bleibt ein verlässlicher Ausbildungsmotor. Zum Stichtag 31. August 2026 sind bei der Handwerkskammer Reutlingen 1.763 neue Ausbildungsverträge eingetragen. Das sind neun Verträge mehr als im letzten Jahr und entspricht einem Plus von 0,5 Prozent.
Damit hat das regionale Handwerk sein Ausbildungsniveau nicht nur gehalten, sondern leicht gesteigert. Zugleich sind weiterhin knapp 500 offene Lehrstellen gemeldet. Für Jugendliche, die noch keinen Ausbildungsplatz haben oder sich kurzfristig neu orientieren möchten, bestehen also auch nach dem offiziellen Ausbildungsstart gute Chancen. „Das ist eine erfreuliche Momentaufnahme und ein starkes Signal unserer Betriebe“, sagt Christiane Nowottny, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Reutlingen. „Sie bilden zuverlässig aus und investieren auch in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten in ihren eigenen Fachkräftenachwuchs. Dass wir im Vergleich zum Vorjahr wieder ein leichtes Plus erreichen, zeigt, wie attraktiv und stabil die Ausbildung im Handwerk ist.“ Besonders deutlich wird die Dynamik im August: Ende Juli waren 1.517 neue Ausbildungsverträge registriert, einen Monat später sind es 1.763. Damit sind innerhalb weniger Wochen 246 weitere Verträge hinzugekommen. „Viele Entscheidungen fallen kurz vor dem Ausbildungsstart“, so Nowottny. „Deshalb lohnt es sich für junge Menschen weiterhin, Betriebe direkt anzusprechen und die Lehrstellenbörse zu nutzen.“
Im Landkreis Reutlingen gibt es 578 neue Ausbildungsverhältnisse (Vorjahr 550), im Landkreis Freudenstadt 209 (Vorjahr 256), der Landkreis Sigmaringen verzeichnet 263 Ausbildungsverhältnisse (Vorjahr 271), der Landkreis Tübingen 383 (Vorjahr 359) und der Zollernalbkreis 330 neue Ausbildungsverträge (Vorjahr 318).
Besonders gefragt sind in allen fünf Landkreisen des Kammerbezirks weiterhin technische und bauhandwerkliche Berufe. An der Spitze steht der Kraftfahrzeugmechatroniker mit 235 neuen Lehrverträgen. Es folgen die Elektroniker mit 184 Verträgen sowie die Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik mit 170 Verträgen. Stark vertreten sind außerdem die Zimmerer mit 135 Verträgen, die Friseure und die Maler und Lackierer mit jeweils 102 Verträgen sowie Tischler und Schreiner mit 88 Verträgen. Die Zahlen zeigen, wo Zukunft im Alltag konkret wird: bei Mobilität, Energie, Klimaschutz, Wohnen, Versorgung und Gestaltung. Die Statistik macht zugleich deutlich, wie breit die handwerkliche Ausbildung aufgestellt ist. Insgesamt verteilen sich die neuen Ausbildungsverträge auf 75 Ausbildungsberufe. Neben den großen Berufsbildern finden sich auch kleinere und spezialisierte Gewerke, etwa Gold- und Silberschmiede, Musikinstrumentenmacher, Naturwerksteinmechaniker, Schornsteinfeger oder Orthopädietechnik-Mechaniker. „Diese Vielfalt ist eine große Stärke des Handwerks“, sagt Nowottny. „Sie bietet ganz unterschiedlichen Talenten einen passenden Weg – praktisch, kreativ, technisch, kaufmännisch oder gestalterisch.“
Ein Blick auf die Schulabschlüsse zeigt, dass die duale Ausbildung im Handwerk jungen Menschen mit unterschiedlichen Bildungsbiografien offensteht. Der größte Anteil der neuen Auszubildenden bringt die Mittlere Reife mit. Sie machen mit 716 Verträgen rund 41 Prozent aus. 601 Auszubildende haben einen Hauptschulabschluss, das entspricht gut 34 Prozent. Gleichzeitig ent-scheiden sich auch viele junge Menschen mit Hochschulzugangsberechtigung für das Handwerk: 226 Auszubildende haben Abitur, weitere 104 die Fachhoch-schulreife. Zusammen sind das fast 19 Prozent. „Das Handwerk ist für Abi-turienten ebenso attraktiv wie für Realschulabsolventen oder Hauptschülerinnen und Hauptschüler, betont Nowottny. „Entscheidend sind Interesse, Motivation und die Bereitschaft, etwas anzupacken. Eine Ausbildung im Handwerk kann der Startpunkt für Meisterbrief, Selbstständigkeit, Betriebsübernahme oder ein anschließendes Studium sein. Auch internationale Nachwuchskräfte tragen zur Fachkräftesicherung bei. 105 neue Ausbildungs-verhältnisse entfallen auf junge Menschen mit den in der Statistik gesondert ausgewiesenen Staatsangehörigkeiten, darunter Syrien, die Ukraine und Afghanistan. „Ausbildung ist ein wichtiger Integrationsmotor“, sagt Nowottny. „Sie eröffnet Perspektiven und hilft den Betrieben, ihren Fachkräftebedarf langfristig zu sichern.“
Dass noch mehrere hundert Ausbildungsplätze offen sind, sieht die Handwerkskammer als Chance für alle, die sich noch nicht entschieden haben oder kurzfristig umorientieren möchten. Viele Betriebe seien weiterhin gesprächsbereit. Auch Einstiegsqualifizierungen könnten jungen Menschen helfen, einen Betrieb und ein Berufsfeld kennenzulernen und anschließend in eine reguläre Ausbildung zu wechseln. „Niemand sollte denken, der Zug sei abgefahren“, sagt Nowottny. „Wer jetzt noch einen Ausbildungsplatz sucht, sollte sich unbedingt melden. Unsere Ausbildungsberaterinnen und Ausbildungsberater unterstützen Jugendliche, Eltern und Betriebe dabei, zusammenzufinden. Im Handwerk zählt nicht nur der Lebenslauf, sondern vor allem, ob jemand Lust hat, mit Können, Kopf und Händen die Zukunft mitzugestalten.“
Kurzentschlossene finden in der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer noch viele Ausbildungsstellen, die sie ab dem 1. September oder später antreten können. Die Ausbildungsberaterinnen und -berater der Handwerkskammer unterstützen Jugendliche, Eltern und Betriebe dabei, zusammenzufinden.